#LiMA17 - PREVIEW

#LiMA17

Referenten
Sophia Obermeyer
Programm
Tag Donnerstag - 2017-04-06
Raum FMP | SR 1
Beginn 14:00
Dauer 03:00
Info
ID 422
Veranstaltungstyp Werkstatt Starter
Track geek*ette
Sprache der Veranstaltung deutsch

Lieber ein Tweet in der Hand als ein Bot auf dem Dach? Herrschaftskritische und emanzipatorische Perspektiven auf social bots

Sie sind „Meinungsroboter“, die den demokratischen Prozess verfälschen: Sogenannte social bots. Doch überzeugt das, dieser Kritik zugrunde liegende Konzept einer „authentischen öffentlichen Meinung“, die ohne den Einfluss von social bots bestünde? Neben Antworten zu dieser Frage suchen wir gemeinsam nach dem emanzipatorischen Potential und den Grenzen der programmierten Meinungen und leuchten die Relevanz für eine linke Medienpraxis aus.

Social bots haben ihren Weg in bundesdeutsche Feuilleton-Debatten gefunden. Die einhellig vorgebrachte Kritik lautet: Das geht doch nicht! Social bots verfälschen die Debatte und manipulieren die Menschen! Das demokratische Versprechen von 'one man one vote' würde unterlaufen werden, wenn bots zielsicher Stimmung machen und sich die tatsächliche Relevanz einer Person oder eines Themas plötzlich nicht mehr anhand von likes und tweets ablesen lässt – auch wenn das für Unternehmen oder Parteien verlockend wäre.

Wir wollen uns mit den Teilnehmer*innen unseres Workshops fragen, ob oder inwiefern diese Kritik an social bots berechtigt ist und welcher populäre Politikbegriff sich dahinter verbergen könnte: Lässt nicht der oben erwähnte one man one vote Gedanke jede Herrschaftskritik außen vor?

Angenommen, marginalisierte Gruppen oder Individuen nutzen solche bot-Armeen um sich in der digitalen Öffentlichkeit endlich Gehör zu verschaffen – hat das Phänomen der social bots als Novum gar ein emanzipatorisches Potential? Sind es tatsächlich neue Menschen und Massen, die durch social bots mobilisiert und politisiert werden, oder tragen diese eher zu einer Radikalisierung der medial geführten Debatten bei, die sich nicht zuletzt in einer politischen Polarisierung und Populismen ausdrücken?

Im Ausblick wollen wir den Fokus auf uns selbst als linke Medienmacher*innen richten und fragen, was die Einsichten des Workshops für unsere Praxis in social networks bedeuten.

Es wird empfohlen, auch den Kurs "Sind social bots eine Gefahr für die Demokratie?" von Martin Fuchs (vor dieser Veranstaltung) zu besuchen, um in die Faktenlage einzusteigen.